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10. Jahrestag, 3. Bericht

6. Oktober 1959
Information Nr. 712/59 – 3. [Bericht] Stimmung, Feindtätigkeit und andere Vorkommnisse anlässlich des 10. Jahrestages der DDR

Die Stimmung der Bevölkerung ist unverändert gut. Das wird durch die ständig steigende Realisierung der verschiedensten Verpflichtungen, durch gute Ausschmückung und durch die überwiegend positiven Diskussionen bewiesen.

Folgende neue Gerüchte und gerüchteartigen Vermutungen sind aufgetreten: Am 6.10.1959 hätten alle Betriebe um 12.00 Uhr Arbeitsschluss (Gera) (Verschiedene Arbeiter im VEB Modedruck Gera1 erklärten deshalb, dass sie am 6.10.[1959] nicht zur Spätschicht kommen wollen.) Aus Anlass des 10. Jahrestages würde die Staatsgrenze West der DDR geöffnet (in den Grenzbezirken). Das Gerücht über eine zu erwartende Amnestie tritt auch im Haftarbeitslager Volkstedt, [Bezirk] Halle, und Bützow, [Bezirk] Schwerin, auf. In Karl-Marx-Stadt wird vorwiegend von Hausfrauen erklärt, dass durch die anhaltende Trockenheit das Vieh in großen Mengen abgeschlachtet werden müsse und in absehbarer Zeit Fleischwaren, Molkereiprodukte und auch Zucker nur noch auf Marken verkauft würde.

Die einzelnen negativen bzw. unklaren Stellungnahmen lassen erkennen

  • dass man die Vorbereitung und Durchführung des 10. Jahrestages als übertrieben hinstellt und die großen Erfolge seit Existenz der DDR als Selbstverständlichkeit betrachtet und

  • dass man verschiedene Mängel, besonders in der vereinzelt nach wie vor noch nicht befriedigenden Versorgungslage, zu Gegenüberstellungen mit Westdeutschland benutzt, Westdeutschland verherrlicht und dabei die Richtigkeit der Politik der DDR bezweifelt.

Die einzelnen Argumente unterscheiden sich dabei im Wesentlichen nicht von den in den bisherigen Berichten bereits angeführten.2

Vereinzelt werden außerdem noch immer Ablehnungen einer Vereidigung der Kampfgruppen3 wie auch des Staatswappens für die Fahnen4 bekannt und auch die erfolgte Preissenkung wird verschiedentlich noch nicht richtig gewürdigt.5 Zur Vereidigung werden meist Begründungen abgegeben, die politische Unklarheit erkennen lassen. Z.B: »Wir sind schon öfters aufs ›Vaterland‹ vereidigt worden und haben davon die Nase voll«; oder »Ein solches Gelöbnis ist unnötig; denn Genosse Chruschtschow6 hat den Abrüstungsplan vorgeschlagen und die DDR arbeite dem damit entgegen.«7

Im Vergleich zu den vorhergehenden Berichten haben sich die direkten feindlichen Handlungen im Abreißen und Beschädigen von Fahnen und Plakaten wesentlich verstärkt.

Neu aufgetretene Hetzlosungen:

  • »Deutsche, so sieht die SED Deutschland, ein Teil der UdSSR – Pfui« (Eine Hetzlosung wurde unter einer Karikatur in Stralsund, [Bezirk] Rostock, angebracht.)

  • »Ulbricht,8 mit Euch geht es zu Ende, ihr werdet bald alle hängen.« Unterschrift – USA – (Hydrierwerk Rodleben, [Bezirk] Halle9)

In der LPG Marzahne/Kreis Brandenburg, [Bezirk] Potsdam, wurde eine Hetzlosung, die sich gegen die Arbeitseinheiten richtete und die LPG als »Sklaverei« hinstellte, angeschmiert.

Hakenkreuze werden im VEB Reos/Erfurt,10 in der Verladehalle des Zementanlagenbaus Dessau, [Bezirk] Halle,11 im VEB Pumpenwerk in Salzwedel, [Bezirk] Magdeburg, am Strand von Nonnevitz/Rügen und an Häuserwänden in Berlin festgestellt.

Das Abreißen und Beschädigen von Transparenten, Plakaten und Fahnen hat, wie schon anfangs erwähnt, wesentlich zugenommen. Derartige Handlungen traten besonders in den Bezirken Berlin (36), Halle (26), Erfurt (18) und Magdeburg (9) auf.

Größere Mengen Hetzflugblätter (Ballon) der ZOPE wurden erneut im Bezirk Magdeburg sichergestellt.12

Auf dem Bahnhof Strausberg wurde in der aus Berlin kommenden S-Bahn ein Paket mit 500 Bildzeitungen sowie mehreren einzelnen Zeitungen (Westzeitungen) sichergestellt.

In der öffentlichen Fernsprechzelle in Berlin-Pankow, Wollankstraße 102, wurde eine selbstgefertigte Hetzschrift in Gedichtform gegen den Genossen Ulbricht angebracht.

Während der Übertragung der Rede des Gen. Ulbricht vor der Volkskammer der DDR äußerte im VEB Sägewerk Weimar, [Bezirk] Erfurt, ein Arbeiter: »Was will denn der Ziegenbart, stellt den doch ab.« Daraufhin wurde abgeschaltet. Der Arbeiter erklärte weiter: »10 Jahre DDR, für wen haben wir schon gearbeitet. Die prahlen immer, dass wir so viel geschafft haben. Man müsse jeden, der für die 80%ige Erfüllung arbeitet, auf den Bock schnallen und eine Viertelstunde müsste er Schläge bekommen«.

In der Gemeinde Werbig, Kreis Jüterbog, [Bezirk] Potsdam, lehnte der Männerchor das Einstudieren der Nationalhymne ab, da angeblich eine Übungsstunde nicht ausreiche. Stattdessen wurde der »dänische Sozialistenmarsch« erlernt.

Eine betrunkene Person, die in Strasburg,13 [Bezirk] Neubrandenburg, den Verkehr behinderte, beschimpfte den einschreitenden ABV und erklärte u. a. »Die Zeit kommt wieder anders.«

In der Nacht vom 3./4.10.1959 wurde in der Gemeinde Roßbach, [Bezirk] Halle, von unbekannten Tätern eine Fensterscheibe eingeschlagen, hinter der ein Bild des Gen. Ulbricht angebracht war.

Weiterhin wurden folgende Vorkommnisse feindlichen Charakters bekannt:

Am 3.10.1959 traten bei 20 Personen einer westdeutschen Delegation in Schmalkalden, [Bezirk] Suhl, Vergiftungserscheinungen auf. Ärztliche Untersuchungen in der Poliklinik Schmalkalden ergaben Magen- und Darmstörungen. Als Ursache wird vermutet, dass das für den Tartar verwendete Fleisch nicht mehr einwandfrei war. Ein alter SPD-Genosse erhält dazu noch einen Gallenanfall. Dieses Vorkommnis wirkte sich negativ auf die Arbeit mit dieser Delegation aus.

Am 3.10.1959 wurde dem VPKA Erfurt durch Hinweise aus der Bevölkerung bekannt, dass eine Gruppe von 30 bis 60 Jugendlichen der sogen. Presley14-Bande von Erfurt nach Eisenach fahren wollten, um dort auf dem Volksfest Störversuche zu unternehmen.15 Außerdem beabsichtigten diese Jugendlichen in der Nacht vom 4./5.10.1959 die Staatsgrenze zu überschreiten und bei westdeutschen Behörden als Grund ihrer Republikflucht anzugeben, dass sie anlässlich des 10. Jahrestages der DDR in die Volksarmee gezwungen werden sollten.

Bei einem durchgeführten Einsatz auf dem Bahnhof Erfurt wurden zwölf Jugendliche festgestellt, die nach Eisenach zu fahren und dort provokatorisch aufzutreten beabsichtigten. Diese Jugendlichen wurden dem VPKA Erfurt zugeführt. Die Bearbeitung übernahm das MfS.

In Nauenburg, [Bezirk] Halle,16 wurde am 2.10.1959 auf dem Grabe des Gen. Schellmann17 eine aus Westdeutschland stammende Hetzschrift der Kirche mit der Überschrift »Ruhe in der Nacht« ausgelegt. Der Inhalt ist Hetze gegen die Sowjetunion.

Der Superintendent Böhm18 aus Wittenberg, [Bezirk] Halle, lehnte es ab, die kirchlichen Gebäude am Kirchplatz in Wittenberg aus Anlass des 10. Jahrestages zu schmücken. Dies würde nur an kirchlichen Feiertagen mit Kirchenfahnen erfolgen.

Am 4.10.1959 während eines Gottesdienstes in der Pfarrei St. Adalbert in Berlin forderte der Pfarrer die Besucher auf, sich am 7.10.1959 an einem Ausflug nach Alt-Buchhorst zu beteiligen. Als Stellzeit und Platz nannte er 8.45 Uhr S-Bahnhof Marx-Engels-Platz.

Am 5.10.1959 gegen 17.45 Uhr erschien im Krankenhaus Zehdenick, [Kreis] Gransee, [Bezirk] Potsdam, ein mit drei Insassen besetzter Wagen der französischen Militärmission. Einer dieser Insassen war durch Oberschenkelschuss verwundet und wurde im dortigen Krankenhaus verbunden. Der Wagen fuhr danach weiter in Richtung Falkenthal. Der Verwundete war ein französischer Offizier, der angeblich auf der Straße Templin-Zehdenick angeschossen wurde. Zurzeit wird noch ermittelt, ob in der Nähe der Fahrstrecke Übungen bewaffneter Einheiten stattgefunden haben.

Am 2.10.1959 erhielt die LPG »8. März« in Erfurt vom Milchhof Erfurt Magermilch zu Verfütterungszwecken. Die Prüfung dieser milchähnlichen Flüssigkeit ergab einen starken Geruch, ähnlich dem eines Reinigungsmittels. Es besteht der Verdacht der Milchverfälschung im Milchhof Erfurt. Untersuchungen wurden eingeleitet.

An feindlichen Plänen und Maßnahmen wurde bekannt, dass im S-Bahnverkehr in verstärktem Maße Flugblattaktionen durchgeführt werden sollen.

Laut »Hessische Nachrichten« vom 3.10.1959 ist geplant, am Vorabend des 10. Jahrestages der DDR (6.10.1959) auf westlicher Seite entlang der Staatsgrenze West »Mahnfeuer« abzubrennen.

Grenzprovokationen:

Eine Überprüfung der im 2. Bericht, Seite 9 angeführten Meldung, dass in der Nähe von Asbach, [Kreis] Heiligenstadt, eine Hetzsendung durch Lautsprecher organisiert wurde, in deren Verlauf zur Beseitigung des Genossen Chruschtschow aufgefordert worden sein soll,19 ergab Folgendes: Es handelte sich nicht um eine organisierte Hetzsendung, sondern um einen im Rundfunk gesprochenen Kommentar zur Reise Chruschtschows in die USA, von dem nur zusammenhanglose Wortfetzen verstanden wurden. Auch der Omnibus hat damit nichts zu tun, sondern das Rundfunkgerät stand in der ca. 500 m von der Grenze entfernt liegenden Heinzmühle.

Neben solchen Grenzprovokationen wie Herunterreißen von Sperrschildern (Kreis Salzwedel), Aufforderungen an Bürger der DDR, die Grenze zu überschreiten (Bad Salzungen) und ähnlichen Vorkommnissen, wurde auch erneut versucht, durch Brandstiftung zu provozieren.

Am 5.10.1959 gegen 16.15 Uhr wurde von sechs westdeutschen Kindern am Kontrollpunkt Wendehausen an der Straße nach Treffurt, [Kreis] Eisenach, ein Feuer entfacht. Als das Feuer von unserem DGP-Posten gelöscht wurde, flüchteten die Kinder, kehrten aber nach kurzer Zeit zurück und wurden gegen 17.00 Uhr von erwachsenen Personen aus Westdeutschland zurückgeholt.

Im Bereich Heinersdorf, Kreis Sonneberg zündeten auf westlicher Seite bei der Gemeinde Welitsch der Bauer [Name 1] mit seinem Sohn 50 m von der Grenze entfernt, dort zusammengetragenes Kartoffelkraut an. Anschließend begaben sie sich zu der direkt an der Grenze gelegenen Uferböschung und zündeten das trockene Gras an. Der Brand breitete sich auf einer Fläche von 8 × 2 m aus und griff auch auf das Gebiet der DDR über. Aufgrund der ungenügenden Nahrung ging das Feuer von selbst aus. [Name 1] und sein Sohn sind als negative Elemente bekannt.

Zu Arbeitsniederlegungen wurde bekannt, dass im VEB Werkzeugmaschinenfabrik Aschersleben die Kranführer und Anbinder20 bei Nichterfüllung von Lohnforderungen am 6.10.1959 die Arbeit niederlegen wollten. In der zur Klärung der Fragen durchgeführten Versammlung distanzierten sich jedoch die Arbeiter von dem Anführer.

Am 3.10.1959 von 8.00 bis 8.13 Uhr kam es im VEB Rotstern Saalfeld im Pralinenpacksaal an zwei Bändern durch 30 Arbeiterinnen zu einer Arbeitsniederlegung.21 Bisher wurden die Wettbewerbsprämien gleichmäßig auf alle beteiligten Brigaden aufgeteilt. Um diese Gleichmacherei zu beseitigen, wurden die Prämien für das III. Quartal nur den besten Brigaden gegeben. Trotzdem diese Neuregelung mit den Partei- und Gewerkschaftsfunktionären beraten und schriftlich in die Gewerkschaftsgruppen gegeben wurde, erfolgte mit den Arbeitern keine gründliche Aussprache, sodass es zu der geschilderten Situation kam.

Zu Lohnfragen herrscht im […]kombinat22 (HO-Spezialhandel) Neustrelitz eine schlechte Stimmung, da die Produktion durch nicht termingerechte Stofflieferung von Herrensakkos auf Herrenhosen umgestellt werden musste und der Verdienst der Arbeiterinnen von 16,00 DM23 auf 8,00 DM täglich gesunken ist.

Im VEB Kammgarnspinnerei Gera gab es eine unzufriedene Stimmung, weil die am 7.10.[1959] fällige Lohnzahlung erst am 8.10.1959 erfolgen sollte. Die Angelegenheit wurde geklärt, sodass die Auszahlung bereits am 5.10.1959 erfolgte.

Ein ähnlicher Fall wurde aus der LPG Usadel, [Kreis] Neustrelitz, bekannt, wo die LPG-Bäuerin [Name 2] aufgrund der Nichteinhaltung des Zahlungstermins von Geldern an LPG-Mitgliedern äußerte, dass sie die Buchhalterin steinigen will, wenn sie kein Geld bringt. Zum anderen könne sein, dass am 5.10.1959 nicht gearbeitet wird. Weiter äußerte sie, wenn es so weitergeht, werde sie nach Westdeutschland gehen. Der Grund für die Nichtauszahlung der Gelder liegt darin, dass der staatliche Kredit erschöpft ist und ein neuer Kreditantrag gestellt werden muss. Da der Vorsitzende der LPG zzt. auf Schule und der jetzige Vorsitzende nicht unterschriftsberechtigt ist, bekam die LPG nicht das notwendige Geld. (Maßnahmen zur Klärung wurden eingeleitet.)

Auch Prämienzahlungen bilden zum Teil immer noch den Gegenstand von unzufriedenen und negativen Diskussionen. So wird in der Abteilung Bootsbau der Schiffswerft Roßlau, [Bezirk] Halle, die Meinung vertreten, dass es nicht richtig sei, anlässlich des 10. Jahrestages der DDR nur einen Teil der Kollegen zu prämiieren. Es sollten alle, gestaffelt nach Leistung, eine Prämie erhalten. Diese Meinung ist auch bei leitenden Betriebsfunktionären vorhanden. Aus dem VEB Dentaltechnik Potsdam wurde bekannt, dass sich die Mechaniker weigerten, am 26. und 27.9.[1959] eine Sonderschicht zu leisten. Der Grund lag in der Ablehnung der Prämiierung durch die BGL.

Folgende neue Brände und Havarien wurden bekannt:

Am 5.10.1959 brach in der LPG Klosterheide, [Kreis] Neuruppin, [Bezirk] Potsdam, ein Brand aus, durch den eine Scheune, ein Stall sowie der Dachstuhl eines Wohnhauses vernichtet wurden. Dabei verbrannten: Zwei Elektromotoren, 160 Ztr. ungedroschenes Getreide, 400 Ztr. Stroh, 220 Ztr. Heu, sechs Pferde, fünf Stück Kleinvieh und 24 Stück Geflügel. Gesamtschaden: 115 000 DM. Ursache: vermutlich Funkenflug von noch glühender Asche des Müllhaufens.

Am 5.10.1959 brannten in Markröhlitz, [Bezirk] Halle, ein Neubauernhaus und der Stall eines LPG-Bauern. Schaden: ca. 20 000 bis 30 000 DM. Ursache: vermutl. Kinderbrandstiftung.

Am 5.10.1959 brach vor dem Objekt der Abteilung XIV in Gumnitz ein Brand aus.24 10 m von diesem Objekt befanden sich die gesprengten Reste des ehemaligen Sprengstoffwerkes, in welchem sich noch erhebliche Restmengen von Nitroglycerin u. a. hochexplosive Rückstande der Sprengstoffproduktion lagerten. Diese Stellen waren nur mit einer leichten Erdschicht abgedeckt. Beim Verbrennen von Laub und Ästen wurden dann vermutlich diese Sprengstoffreste entzündet. Bei den Löscharbeiten erlitten 14 Personen Rauchvergiftungen und mussten in das Krankenhaus eingeliefert werden. Darunter befinden sich vier Genossen der Abteilung XIV.

Kinderbrandstiftungen an landwirtschaftlichen Gebäuden wurden in zwei Fällen aus den Kreisen Eisenach und Nordhausen, [Bezirk] Erfurt, bekannt. Der Gesamtschaden in beiden Fällen beträgt 13 000 DM.

Waldbrände größeren Ausmaßes entstanden im Kreisgebiet Havelberg, [Bezirk] Magdeburg, und zwischen Neuhof und Zossen, [Bezirk] Potsdam. In letzterem Falle wird als Ursache ein niedergegangener Hetzballon angenommen. Der Schaden ist noch nicht bekannt.

Als Diversionshandlungen wurden bekannt:

Im Gipsschwefelwerk Coswig,25 [Kreis] Roßlau, [Bezirk] Halle, öffneten unbekannte Täter am 2.10.1959 an einer im Bau befindlichen Wasseranlage die am Ende der Rohrleitung aus Sand und Steinen errichtete Wassersperre. Dadurch wurde ein Stück fundamentierten Fundaments überschwemmt und zum Teil unbrauchbar gemacht. Schaden noch unbekannt. Untersuchungen sind eingeleitet.

Ebenfalls als Diversionshandlungen einzuschätzen sind zahlreiche kleinere Havarien im Kraftwerk Zschornewitz26 und in der Farbenfabrik Wolfen.27 Sie traten in den Abteilungen auf, in denen sich die Arbeiter zu neuen Produktionsleistungen verpflichtet hatten. In Zschornewitz wurden von elektrischen Leitungen Sicherungen und Sicherungskappen entfernt und dadurch die Stromzufuhr gestört. Im Salzbetrieb der Farbenfabrik Wolfen fielen einige Motorenlager aus, als die Arbeiter zum 110er Tempo übergehen wollten. Im Wofatitbetrieb wurden nach der vorfristigen Inbetriebnahme vier Relais defekt.28 Im Spezialdüngerbetrieb entstand ein Maschinenausfall, nachdem sich die Arbeiter bereit erklärt hatten, in drei Schichten zu arbeiten.

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    7. Oktober 1959
    Information Nr. 715/59 – 4. Bericht über Stimmung, Feindtätigkeit und andere Vorkommnisse anlässlich des 10. Jahrestages der DDR
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